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Die Hägelesklinge als Denkmal für einen Landstreicher Die Lebensgeschichte des Namensgebers des Naturschutzgebietes - Erzählt von dem
verstorbenen Pfarrverweser Renz in Kaisersbach 
Warum heißt das Naturschutzgebiet Hägelesklinge? Es war gar nicht so einfach, Näheres dazu in Erfahrung zu bringen. Fündig wurden wir in den Blättern des Welzheimer Waldvereins.
Der Kaisersbacher Pfarrverweser Renz hat dort die Geschichte unter der Überschrift "Denkmal für einen Landstreicher" erzählt. Unter den mancherlei Steingrotten in
Welzheims nächster und ferner Umgebung ist die Hägelesklinge wohl eine der besuchtesten, nachdem sie vor nunmehr 150 Jahren zugänglich gemacht wurde. Im dunklen Tannenwald verborgen
, bildet sie einen Seiteneinschnitt ins "Täle" bei Kaisersbach, durch das die Blinde Rot fließt. Diese treibt schon nach wenigen Kilometern Laufeslänge die
Ebersberger Mühle, und wer von Welzheim her in die Klinge möchte, geht am besten bei dieser Mühle rechts im Walde hinauf, dem äußeren Ebersberg zu, von
wo man an das obere Ende der Grotte kommt. Geht man von Ebersberg den Sandweg herunter am Forsthaus vorbei, so kommt man an den Eingang der Grotte
und zugleich auf den Weg nach Kaisersbach durchs Täle hinauf. Die Wanderer, welche von Kaisersbach aus zur Hägelesklinge wollen, gehen von Kaisersbach
aus am Schulhaus vorbei ins Täle hinunter und besteigen die Klinge von unten nach oben. Die sehenswerte Grotte ist zweiteilig. Der westliche Arm trägt den Namen
Brunnenklinge. Dort tropft bei feuchtem Wetter viel Wasser vom Felsen herunter. Der östliche Arm heißt Hägelesklinge, die ihren Namen einem geborenen Ebersberger verdankt. Johannes Hägele erblickte das Licht der Welt in Ebersberg, in einer Zeit von
Deutschlands tiefer Erniedrigung, am 21. März 1806 als Sohn des Christian Hägele, Söldner und seiner Ehefrau Rosine, geb. Schaaf. Es war, als hätte jene Zeit einen Schatten auf Johannes
Hägeles Leben geworfen. Als er fünf Jahre alt war, starb seine Mutter und ein Jahr darauf bekam er mit seinem älteren Bruder und seinen beiden
Schwestern, von denen die Christine drei Jahre jünger war als er, eine Stiefmutter, die eben nicht die rechte Mutter war. Auch im Irdischen wollte Hägele die
Glückssonne nicht scheinen, er musste zunächst den kümmerlichen Weberberuf ergreifen und später erwachte in ihm der Hang zum Soldatenleben als ein väterliches Erbstück.
Als seine Dienstzeit vorüber war, verlegte er sich aufs Einstehen (Dienstzeit für andere übernehmen), um so bedeutende Summen von Herrensöhnen, denen des
Königs Rock zu eng war, zu bekommen. Neunmal soll er "Einsteher" gewesen sein. Sein Glück machte er aber auch damit nicht, im Gegenteil, das viele Geld wurde
ihm zum Verhängnis. Der sonst gutmütige Hägele wurde zum großen Ärger seiner Vorgesetzten im höchsten Grad leichtsinnig. Das lange Kasernenleben machte ihn
verwegen und das Verhängnis blieb nicht aus; er mußte auf die Schranne. Gebessert hat ihn das aber nicht. Als ihm wieder einmal eine solche Liegekur
bevorstand, brannte er durch und suchte Bergung in heimatlichen Felsklüften, die ihm als Knabe schon zu Schutz und Trutz gedient hatten.
Nahrungssorgen drückten ihn dabei nicht sonderlich, er war ja in all den Häusern seines Weilers bekannt wie in seiner Hosentasche. Er wusste jedes Hintertürchen
und riegellose Schiebfensterchen. Da holte er sich Küchengeschirr, Brot, Mehl, Butter, Speck, Rauchfleisch und Eier, so viel er brauchte, um einige Tage oder
Wochen nach seiner Art wie ein Adler im Horst feiern zu können. Dort wußte sich der Deserteur sicher, wenn dicke Luft war und die Landjäger (Polizisten) ihn
besuchen wollten. Da sei er einmal auf eine der hohen Tannen geklettert, die mit ihren zähen Wurzeln die Felsbrocken wie mit Polypenarmen umklammern und
habe die Grünjacken sich unten müde suchen lassen. In aller Seelenruhe habe er dabei die Tannenluft genossen. Wenn´s dann im Sommer viel Arbeit gab,
verdingte er sich bei den Ebersberger Bauern. Längere Zeit war er Knecht bei Georg Adam Weller, dessen Enkel im Mai 1893 nach Eckartsweiler zog und den Hof an Friedrich Rupp veräußerte. So zäh aber wie seine geliebten Tannen war der
kühne Hägele nicht. Die einfache und doch so wechselreiche Lebensweise brach seine Kraft schon verhältnismäßig früh. Er selbst sagte, den Prügeln nach, die er schon bekommen habe, sollte
von ihm nichts mehr da sein. Als er sich nicht mehr selbst durchbringen konnte, suchte er sein Heim in dem Bohnschen, später Eisenmannschen Hause im oberen Ebersberg auf, wo er in einem alten Bett
unter der Bühnentreppe seine letzten Jahre verbrachte. Bis auf die Knochen abgemagert, lag er da, den Kindern ein Schreckbild. Von mitleidigen Ebersbergern, wie dem Weber Jakob Fritz, wurde
er mit dem Nötigsten versorgt. Endlich brachte ihm die lange an ihm nagende Auszehrung am 13. März 1859 nachmittags 4 Uhr im Alter von nahezu 53 Jahren das erwünschte Ende.
Ohne Familie und ohne Nachkommen starb er, in der Hägelesklinge aber lebt er weiter, so lange sie die Wälder und die Wanderer besuchen.
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