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Beschreibung des Oberamts Welzheim
Herausgegeben von dem Königlichen statistisch-topographischen Bureau - 1845
Gemeinde Kaisersbach
bestehend aus 38 Parcellen, mit 2288 Einwohnern
Allgemeines:
“Der Bezirk dieser Gemeinde liegt auf der Höhe des welzheimer Waldes, südlich an den Bezirk Welzheim, westlich an das Oberamt Backnang, nördlich an den Bezirk
Kirchenkirnberg und östlich an das Oberamt Gaildorf grenzend. Er ist überall, nur nicht südlich, von Waldung umgeben, liegt ebenso hoch und hat dasselbe Klima mit Welzheim. Hier ist die Zahl der
Geburten (eheliche 50 auf 1.000 Einw.) und (uneheliche unter 100 Geburten 19) am Größten.
Am höchsten liegen Ebni und einige anstoßende Parcellen auf dem westlichen Bergrücken der Ebni, der von der bei Fratzenklingenhof entspringenden Wieslauf von Norden nach
Süden durchschnitten ist. In derselben Richtung ist der Bezirk von der bei Kaisersbach entspringenden Lein und in nördlicher Richtung von der blinden Roth, die ebenfalls hier entsteht, durchflossen.
Derselbe ist 2 Stunden breit und fast ebenso lang. Ueber Wassermangel kann daher und der Quellen in den Schluchten wegen, nicht geklagt werden; die Nähe des Ursprungs der Gewässer aber macht, dass
bei anhaltender Trockenheit die Mühlen stehen bleiben und jene am Kocher und an der Rems aufgesucht werden müssen. Es sind 252 Haupt- und 96 Nebengebäude vorhanden. Der Boden ist nicht sehr ergiebig.
Auf der Ebni können größtentheils nur Roggen und Kartoffeln gebaut werden; die Wiesen sind hier sumpfig und überwässert. Kaum 1/3 der Einwohner des Bezirks kann wohlhabend genannt werden. Ein Schff.
Haber gibt 3-5, ein Schff. gemischte Frucht 3-4 Schff. Ertrag. Flachs und Holz sind Hauptprodukte. Der Flachs geräth auf dem Strohhof besonders ausgezeichnet. Ein Morgen Garten wird zu 100 bis 200
fl., Wald zu 100 bis 150 fl. verkauft. Die Aecker sind in Mönchhof und Kaisersbach am Theuersten, in Voggenmühle am Wohlfeilsten. Der Fruchtbau wird nicht zelglich, sondern in Wechselfeld betrieben.
Die Getreidearten sind: Roggen, Dinkel, Gerste, Haber; aber zum Bedarf der Einwohner reicht die Ernte nicht aus. Wieswachs gibt es zwar; das Wechselfeld muß jeoch größtentheils auch als Grasboden
dienen. Uebrigens baut man Klee und beginnt man das Vieh im Stall zu halten. Schafzucht wird nicht betrieben. Obst wächst wenig, und zwar geringer Qualität. Kartoffeln sind die Hauptnahrung. An
Gewerben sind nur zu nennen 3 Mahl-, 1 Oel- und 7 Säg-Mühlen. Der Flachshandel ist besonders lebhaft, der übrige Verkehr unbedeutend. Durch den Bezirk führt die bei Welzheim erwähnte Straße, welche
bis jetzt noch in schlechtem Zustand sich befindet, durch die südöstliche Ecke desselben die nach Gaildorf führende Straße, und in westlicher Richtung zieht jene über Ebni nach Winnenden.
Der Bezirk gehört zum Forstamt Lorch. In Gebenweiler und Gebenweilergehren ist die Standesherrschaft Limpurg-Sontheim-Gaildorf Grundherr. An den grundherrlichen Rechten
des Staats hat die Gemeinde seit 1817 für 326 fl. 40 kr. Abgelöst. Ueber die Zehentverhältnisse s. hienach. Die Parcellen 3, 23 und 27 sind nach Kirchenkirnberg, 15 und 30 nach Rudersberg, die
übrigen nach Welzheim eingepfarrt. Schulen sind in Kaisersbach, Birkhof und Ebni; Industrieschulen in Kaisersbach und Ebni.
Wie bei Welzheim gezeigt worden, gehörten früher mehrere dort aufgeführte Parcellen zur diesseitigen Gemeinde. Die meisten Orte des Gemeindebezirkes waren adelbergisch und
Bestandtheile des Amtes oder Viertels Kaisersbach. Ausnahmen s. hiernach. Mehrere wurden erst im Laufe der letzten 100 – 150 Jahre auf Waldboden angelegt und gehörten meist bis 1806 in das
Oberamt Schorndorf. Gebenweiler kam 1806 unter die Hoheit Württembergs und 1818 zu der Gemeinde.
Ortsbeschreibungen
Kaisersbach
Dorf mit 405 evangelischen Einwohnern, fast auf dem höchsten Punkte der Hochebene, an der von Welzheim herkommenden Straße, nördlich, 2 Stunden von da gelegen, links des
Ursprungs der Lein. Der kleine Zehente war bis 1811 dem Stabsschultheißen als Besoldungstheil angewiesen. Kaisersbach ist Sitz eines Revierförsters. Neben jedem Hause ist ein Gärtchen. Von den
Gebäuden erwähnen wir die neue vom Staat kürzlich erbaute Wohnung des Revierförsters und das neue Schulgebäude, womit auch das Rathaus verbunden ist. Hier hängt eine früher in Gebenweiler befindlich
gewesene kleine Glocke, welche wegen ihrer alten Umschrift die Aufmerksamkeit der Geschichtsforscher auf sich gezogen hat. Sie ist kaum 2 Schuh hoch und hat eine sehr alte, unförmliche, von Außen
angegossene Umschrift, aber keine Jahreszahl. Pprescher (in Gräters Zeitschrift Iduna und Hermode, 1814) glaubt, jene laute: “Populo communi christiano modo personat in vico Gibowiler”
oder “Gibonis villa”, da sie für Gebenweiler bestimmt gewesen. Sowohl die Capelle, wozu sie gehört, als die Glocke selbst, sey in das neunte Jahrhundert zu setzen; und es möge seyn, dass
damals die Bewohner des Waldes durch Priester des alten Klösterleins in Gmünd (oder der nachmaligen Stiftskirche in Lorch ?) in der christlichen Lehre unterrichtet worden seyen.
In Folge der Güterzerstückelung ist der Wohlstand etwas gesunken. Ein Drittel der Bürger ist wohhabend, die übrigen sind Söldner und Taglöhner mit geringem Grundbesitz.
Die Allmanden sind schon seit 50 Jahren vertheilt. Die Farrenhaltung wechselt unter den bauern. Es wir auf Lein- oder Simmenthaler Race gehalten. Im Orte selbst ist die Stallfütterung seit 1844
eingeführt. Eine Baumschule besteht seit Frühling desselben Jahres. Die Gewerbe sind von ganz untergeordneter Bedeutung. Die Potaschensiederei wird von zwei Bauern betrieben. Der Holzhandel geht über
Welzheim in die Oberämter Schorndorf, Waiblingen und Cannstatt. An der Schule stehen ein Schulmeister und ein Gehilfe. Der Industrieschule wurde oben gedacht.
Kaisersbach war bis 1806 der Sitz eines Gerichtes und Amtes des Klosters Adelberg, des sog. kaisersbacher Viertels, und scheint zu seinen Stiftungsgütern
gehört zu haben. Die Sage will wissen, dass hier ein von Kaiser Barbarossa gegründetes Bad gewesen, das dem Orte den Namen gegeben. Diese Heilquelle, die er selbst gebraucht habe, wird unter der
Staffel des Gasthauses zum Ochsen, das noch die Badstube heißt, gezeigt. So viel ist gewiß, dass hier eine Badstube stand (deren noch 1700 gedacht wird), dass die gedachte Quelle als schwefelhaltig
bezeichnet wird, und dass noch heute ein Gewand auf der Markung “in Bädersgärten” heißt. Bemerkenswerth ist auch, dass auf der Markung ein Gewand “im Bürkacker” oder im
“im Burgäckerlin” liegt, woraus auf eine frühere Burg, die aber nicht näher nachgewiesen werden kann, geschlossen werden könnte. Die älteste Form des Ortsnamens ist aber nicht, wie
behauptet wird, “Kaisersbad”, sondern “Kaiserspuch”, woraus erst später die heutige entstand. Für die Vermutung übrigens, dass der Ort mit der ganzen Umgebung einst
hohenstaufisch gewesen, spricht nicht nur der Besitz Adelbergs selbst, das von einem staufischen Dienstmann gestiftet worden, sondern auch die Thatsache, dass – wie bereits gezeigt und auch
hienach sich finden wird – viele benachbarte Punkte unzweifelhaft zum Stammgut der Staufen gehört hatten. Verdient eine handschriftliche Chronik des Klosters Murrhardt glauben, so schenkt
diesem schon sein Stifter Kaiser Ludwig 816 Güter hier. Weil der Sitz eines eigenen Amtes, muß jedoch Kaisersbach schon frühe in Adelbergs Hände gekommen seyn. Eine Erwerbung fällt noch in´s Jahr
1382, wo Truchseß von Höfingen demselben seine Güter zu “Kaiserspuch”, die ihm zu 1/3 anerstorben waren von Albrecht Schnarrenberger und welche dieser von Conrad von Rinderbach, Bürger zu
Gmünd, erworben hatte, um 35 fl. Im Gold verkaufte. Adelberg besaß hier 10 ganze und 2 halbe Lehen, 2 Sölden, worunter die Badstube, Zinse aus einzelnen Gütern und den Zehenten, sowie alle Hoheit und
Vogtei. Den Zehenten aus drei Gütern kaufte es 1375 von Syfried Häberling dem Aelteren, Bürger zu Gmünd. Der Heilige zu Welzheim besaß hier 3 Lehen. Auch der Heilige zu Kirchenkirnberg kaufte von der
Stadt Gmünd 1379 ein gut; und 1425 übergibt ein hießiger Einwohner sein “frei aigen Gütlin zu Keysersbuch” dem Schenken Conrad von Limpurg; also dass dieser des Gütlens rechter Herr und
Versprecher seyn soll. Die daher rührenden Rechte Limpurgs wurden erst unlängst vom Staate erworben.
In dem Dorfe stand einst eine Capelle, oder ein römisches Wachhäuschen, da in dem Lagerbuche von 1538 vom “Capellengarten”, oben und unten an die Gemeine Gasse
stoßend, die Rede ist. Auf der Markung gegen Mönchhof hin lag noch 1682 ein ziemlich großer See, welchen die Roth bildete.”
Weitere geschichtliche Fakten unter “Historisches”
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